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Berufschullehrer

2 Dezember, 2007

Erst vor wenigen Tagen hat ein Gericht entschieden, das es durchaus rechtens ist, wenn Schüler ihre Lehrer bewerten und dies auch im Internet veröffentlichen. Das einige Lehrer damit ein Problem haben, kann ich durchaus nachvollziehen.

Besonders zu Berufschullehrern hatte ich immer ein ganz besonderes Verhältnis. Während ich meine Lehrer noch überwiegend als recht kompetent in Erinnerung habe, sind die Geschichten meiner Auszubildenden erschreckend. Besonders im Fach Programmierung sind die Misstände offensichtlich sehr hoch. Wenn nach vier Monaten Unterricht noch keine Programmschleifen behandelt wurden ist das ein Zustand, den ich nur mit unerträglich und peinlich beschreiben kann. Wenn es dann auch noch an der persönlichen Kompetenz der Lehrkraft mangelt, ist der Unterricht pure Zeitverschwendung. Leider höre ich solche Geschichten jede Woche aufs neue. Auch in anderen Fächern, wie zum Beispiel Datenbanken, sind die Zustände nicht besser.

Vor einem Jahr hatte ich mal die Gelegenheit mit einem Lehrer meiner Azubis zu sprechen und mir wurde auch sehr schnell klar, woher diese Probleme kommen können. Diese Menschen kommen aus der Industrie oder aus der Wirtschaft und entschließen sich irgendwann Lehrer zu werden. Ihren bis dahin erlangten Kenntnisstand nehmen sie natürlich mit. Aber sie entwickeln sich nicht weiter. Und so kommt es, dass in Berufsschulen Dinge unterrichtet werden, die schon lange veraltet sind. Ein untragbarer Zustand.

Wäre es von der Lehrern zu viel verlangt, sich eigenständig weiter zu bilden? Ich muss das schließlich auch. Während meiner Arbeitszeit habe ich nur wenig Zeit neue Technologien und System auszuprobieren, also bleibt mir nur die Freizeit. In der Wirtschaft ist das natürlich etwas anderes, hier ist es bitter nötig, immer mit der Konkurrenz auf Augenhöhe zu bleiben, im Idealfall sogar einen Schritt vorraus. Ein Stillstand wäre hier verhängnisvoll. Ein Problem, das Lehrer nicht haben, da sie keine direkte Konkurrenz zu fürchten brauchen.

Vielleicht ist auch dies ein System, welches nicht mehr zeitgemäß ist.

ein hollix-posting

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5 Kommentare

  1. Ich muss hier die Berufsschullehrer ein wenig in Schutz nehmen. Durchaus verstehe ich deine Meinung und stimme dir auch, was einige Lehrer angeht, zu.
    Dennoch muss man sich auch die Azubis anschauen. Ich selbst befinde mich gerade im 2. Lehrjahr zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung und bin froh, dass ich nur 6 Blöcke a 2 Wochen Schule habe. Wenn ich mir so meine Azubikollegen anschaue, dann frage ich mich bei knapp 90% was sie eigentlich hier machen. Ich übertreibe wirklich nicht. Es sind maximal 3 Stück, die was von Programmierung verstehen und es zu ihren Hobbies zählen. Der Rest sind eher die Gamer und Surfer, die immer noch nicht verstanden haben, dass es keine If-Schleife gibt.
    Da ich Studienabbrecher bin und 3 Semester Informatikstudium hinter mir habe, kann ich bei den Azubikollegen, wie auch den Lehrern nur den Kopf schütteln. Im 2. Jahr haben wir HTML bekommen, eher so als Lückenfüller. Der Lehrer hatte selbst irgendwann in den 90ern das letzte Mal was mit HTML gemacht und versucht uns nun das beizubringen.
    Jedoch wundert mich es nicht, dass die Lehrer mit dem Stoff einfach nicht vorwärts kommen. Sie orientieren sich eben an den schwächsten in der Klasse und so darf man nicht überrascht sein, dass man im zweiten Lehrjahr nicht weiter als UML Diagramme für Klassen und wie man Instanzen von Klassen bildet, ist.
    Bei uns ist es so, dass Mathematik im ersten Lehrjahr sozusagen nur AG war und im zweiten Lehrjahr durch Religion ersetzt worden ist. Englisch gibt es auch erst ab dem zweiten Lehrjahr. Ich weiß nicht ob die Zustände nur bei uns an der Berufsschule so sind, oder ob man es durch die Bank auf anderen Schulen übertragen kann, aber so werden keine Fachkräfte ausgebildet.
    Ein weiterer Punkt sind auch die Betriebe – wenn ich mich mit meinen Azubikollegen unterhalte, stellt es sich immer mehr heraus, dass die meisten nur als billige Arbeitskraft tätig sind, von Ausbilderqualität in der Firma gibt es weit und breit nichts zu sehen. Genauso wenig von Betreuung, viele nehmen an Produktivsystemen teil und arbeiten oft an Kundenprojekten.

    Hätte ich vorher gewusst, dass es so ein Krampf mit der Ausbildung ist, hätte ich meine Arschbacken zusammengekniffen und hätte mich im Studium mehr angestrengt. Aber so ist das nun mal, da muss ich durch und mehr von meiner Freizeit für das Lernen opfern, denn in der Schule krieg ich leider nichts Neues beigebracht.


  2. Natürlich sollte man sich immer gut überlegen ob man einen Job lernen will für den man keine Vorbildung hat, siehe dazu auch mein Posting „Do you speak-a my language?“ aber ich erwarte von den Schulen doch etwas mehr. Während mein Azubi auf der Arbeit Multithreading Anwendungen mit Datenbanken schreibt muss er sich in der Schule mit trivialer Programmierung langweilen. Das Schlimme dabei ist die Anwesenheitspflicht! Er muss ich das ansehen obwohl er die Zeit besser nutzen könnte und das auch tun würde.

    Natürlich ist es ebenfall gut, das die Schule sich an den Schwächsten orientiert aber es sollte allen klar sein, das diese zwanglose Zeit spätesten am letzten Tag der Ausbildung endet und dann ein Leben beginnt auf das einen die Schule überhaupt nicht vorbereitet hat.


  3. Da gebe ich dir recht. Geht mir nicht anders. In der Firma setze ich mich mit Datenbanken, Office Integrationen und WebAnwendungen mit ASP.NET auseinander und in der Schule werde ich mit Instanziierung „belästigt“.

    Soweit mir aber bekannt ist, kann man den Azubi vom Unterricht freistellen lassen durch die Firma. Also in Ba-Wü sollte das möglich sein.


  4. Freistellen der Azubis geht leider nicht unendlich oft. Wir haben das probiert, das gibt Stress.
    🙂


  5. Gut auf Dauer ist eine gaaanz andere Sache 😀



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