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Re: Mac OS X 10.5 Leopard

26 November, 2007

Tut mir leid, das wird jetzt hier etwas länger, denn ich bin ein bisschen verärgert. Ich kann einfach nicht glauben, dass ich der einzige bin, der Leopard in seiner jetzigen Form sehr verbesserungswürdig findet und den Kauf bedauert. Damit jetzt aber nicht der Eindruck eines notorischen Nörglers entsteht, möchte ich hier mal ein paar Punkte aufführen, die mich stören und nichts mit Abstürzen und Fehlfunktionen zu tun haben, die eventuell mit bei mir aktiven Plugins oder Drittanbieterprogrammen zu tun haben:

1. Spaces. Nützlich, aber unvollständig. Es fehlen mir wichtige Hilfsmittel: Eine optional schaltbare, dauerhafte Übersicht, z.B. im Dock, sowie eine Tastenkombination, um das aktive Fenster in ein benachbarten „Space“ zu verschieben. Die eingebauten Möglichkeiten bremsen meinen Arbeitsablauf total aus. Hier fahre ich mit VirtueDesktop – oder Desktopmanager – wesentlich besser. Nebenbei, bin ich denn der einzige, der es misslungen findet, wie das Verschieben von Fenstern gelöst ist? Wenn ich z.B. ein Fenster auf den linken „Space“ verschieben will, nehme ich es, bewege es an den linken Rand, der Desktop und alle anderen Fenster verschieben sich nach rechts, mein Fenster bleibt aber unbewegt links. Ich muss es also wieder nach rechts bewegen, um es zu platzieren. Wäre es denn nicht sinnvoller, wenn auch dieses Fenster nach rechts wanderte und ich so eine einheitliche links-Bewegung ausführen könnte?

2. Timemachine. Ebenfalls von Grundgedanken her schön. Aber nur, wenn man sein Home-Ordner nicht verschlüsselt (Filevault), denn dann verliert Timemachine jeden Nutzen. Es wird nämlich nur dann ein Backup dieser Daten gemacht, wenn sich der User abmeldet. Und dann auch nicht in irgendeiner Weise inkrimentell, sondern komplett. Jedes Mal. Das ist aber noch nicht alles. Mir ist bisher vollständig schleierhaft, wie ich im Notfall an die Daten kommen soll, denn für Timemachine existieren sie nicht. Ich müsste dann schon die verschlüsselten Daten händisch durchsuchen. Was soll denn das sein?

3. Spotlight im Finderfenster. Grundsätzlich gibt es zwei Zugänge zu Spotlight, oben rechts im Menu und in jedem Finderfenster. Bisher bedeutet das für mich, systemweite, offene Suchanfragen kommen nach oben, Suchen im aktuellen Ordner starten im Finderfenster. In Leopard nicht. Da startet jede Suche grundsätzlich auf dem ganzen System. Im Finder bekomme ich lediglich einen Knopf angeboten, der die Suche einschränkt. Bei diesem Punkt war ich ganz sicher, dass er mit dem ersten Update verschwinden würde. – Falsch, denn auch hier scheine ich mit meiner Meinung alleine zu sein.

4. Mail und Aufgaben. So ziemlich das Feature, auf das ich mich am meisten gefreut habe. Aber auch hier gilt: Gut gemeint, schlecht gemacht. Zwar kann ich sehr einfach aus einer eMail eine Aufgabe generieren, die dann ohne weiteres Zutun in die Terminverwaltung (iCal) einfliesst. Aber was passiert, wenn die Aufgabe erledigt ist? Nicht viel. Sie bekommt ein Häckchen, verschwindet aber nicht aus der Liste. Niemals. Ich habe nirgendwo eine Möglichkeit gefunden, die Anzeige dahingehend zu beschränken. Also bleibt nur Löschen. Dann ist sie weg. Leider aber vollständig, sprich auch iCal vergisst sie dann. Auch hier scheint ausser mir niemand ein Problem zu sehen. Für mich ist es sehr wichtig, auch auf erledigte Aufgaben zugreifen zu können.

5. Mail und Sicherheit. Das sind eigentlich zwei Punkte, zum einen hat es Apple geschafft, ins aktuelle Mail einen bei der alten Version erfolgreich behobenen Fehler wieder einzubauen (heise), zum anderen gibt es bei beiden eine Einstellung „Nicht lokal gesicherte Bilder in HTML-E-Mails anzeigen“, die aber unterschiedlich wirkt. Die alte zeigt die Bilder nicht nur nicht an, sie lädt sie auch nicht herunter. Die neue lädt sie zwar, zeigt sie aber nicht an. Wie sinnvoll. Ich war bisher der Meinung, über nachgeladene Bilder wäre es Spamern möglich, sich von der Zustellung ihrer Mails zu überzeugen, weshalb man das Laden vermeiden sollte, Apple hat damit aber wohl kein Problem. Also nicht wundern, wenn die Werbeflut in Zukunft weiter zunimmt.

6. FrontRow. Ich muss zugeben, die neue Optik und Menuführung finde ich sehr gelungen. Dass FrontRow nicht mehr mit meinem Linux-iTunesserver arbeitet, weniger. Dass aber die Wiedergabeposition von Videos nicht mehr gespeichert wird, gleichzeitig aber die Navigation vollständig hakelig und unvorhersehbar wird, macht es unbauchbar.

7. Usability vs. Eye Candy. Ok, über Geschmack will ich hier nicht reden, wenngleich die 70er Jahre Braun-Optik des 2D-Docks schon ein ziemlicher Hammer ist. Nein, ich frage mich, wie die (angeblich) angestrebte Barrierefreiheit von Leopard mit der nicht veränderbare geringen Grösse der Seitenleiste im Finder vereinbar ist? Unter Tiger kann man den entsprechenden Bereich einfach gross ziehen, schon werden die Icons und die Schrift – in Grenzen – grösser. Das zusammen mit den geringen Kontrast dürfte User mit Sehbehinderung nicht erfreuen, wie auch die Tatsache, dass es zwar eine neue, deutlich verbesserte Sprachausgabe gibt, diese aber wie immer, nur Englisch spricht.

Jetzt reicht meine Sehkraft aber noch aus, wodurch ich auf ein anderes Phänomen stossen konnte. Was der Nicht-Macuser eventuell nicht weiss: Macs lassen sich sehr weitgehend über Tastaturkürzel steuern. Das finde ich extrem zeitsparend und sehr gelungen. So kommt es oft vor, dass ich über CMD-Backspace Dateien lösche. Befinden sich diese auf einem entfernten Server, erscheint ein Requester, der unter Tiger so aussieht.Tiger

Es ist ziemlich eindeutig, welcher Knopf vorgewählt ist. Ein Druck auf „Space“ und die Datei ist Geschichte.

Unter Leopard sieht das ganze aber so aus:Leo 1

Öhem. Ich bin unsicher.

Erst, wenn ich mittels „Tab“ umschalte, wird es für mich deutlich.Leo 2

Das hat mich einige Zeit gekostet, bis mir überhaupt aufgefallen ist, warum ich bei solchen Gelegenheiten immer 2x „Tab“ gedrückt habe. Einen Fortschritt vermag ich jedenfalls auch hier nicht zu erkennen.

Wenn ich also diese Liste durchgehe, und dann sehe, dass es da draussen zwar extra Seiten gibt, die sich mit dem grossen Problem der Dock-Optik beschäftigen, aber niemand z.B. mit Spotlight ein Problem hat, sehe ich für mich und Leopard eine sehr, sehr düstere Zukunft.

Wenn ich mir dann aber noch die aktuellen Alu-iMacs mit ihrer hochverspiegelten TV-Optik anschaue, weiss ich nichtmal mehr, wie lange ich mich selbst noch einen Apple-User nennen werde.


ein bugpit-posting

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9 Kommentare

  1. http://www.apple.com/macosx/features/timemachine.html

    Zitat der Seite:

    Anatomy of a backup.

    For the initial backup, Time Machine copies the entire contents of the computer to your backup drive. It copies every file exactly (without compression), skipping caches and other files that aren’t required to restore your Mac to its original state. Following the initial backup, Time Machine makes only incremental backups — copying just the files that have changed since the previous backup. Time Machine creates links to any unchanged files, so when you travel back in time you see the entire contents of your Mac on a given day.

    cu Rov.


  2. Time Machine makes only incremental backups !!!


  3. Und wenn Du es mit noch so vielen Ausrufezeichen schreibst, Timemachine macht KEINE inkrementellen Backups von gesicherten Home-Verzeichnissen.
    Kann es auch gar nicht, wenn das Backup nur im abgemeldeten Zustand erfolgt und das System dann keinen Zugriff auf einzelne Daten haben KANN – sonst wäre die Verschlüsselung offensichtlich kompromittiert.

    Das Lesen von Apple-Seiten ersetzt nicht die Eigenhirnnutzung.


  4. Anmerkung zum Löschen von Dateien:

    Der Abbrechen Button ist hervorgehoben bedeutet, dass die Enter Taste gilt.
    Der Button mit der Umrahmung wird durch die Leertaste aufgerufen.
    Man muss also eigentlich garnicht mehr Tab drücken.

    Die Finder-Suche finde ich auch nervig. Gibt es denn mittlerweile ein Workaround o.Ä., womit man im aktuellen Ordner, statt auf dem gesamten Mac suchen kann?


  5. @Lenny: Mit dem Abbrechen-Button hast Du recht.
    Und für das Spotlight-Phänomen habe ich bisher keine Hilfe gefunden.
    Jetzt warte ich halt auf das sagenumwobene Update auf 1.5.2.


  6. Mit dem Spotlight gebe ich dir recht, das war bei Tiger besser, wenn man das Fenster öffnet „alle anzeigen“ ist es eine chaotische Suche. Das nervt gewaltig.


  7. Nein, denke du bist in vielen deiner Punkte ganz und gar nicht der Einzige, der das so sieht.

    Ich find es noch dazu extrem nervig, dass in der Finder-Spotlight-Suche auch nicht die Listeneinstellung gewählt werden kann (Größe einer Datei)…oder dass der Pfad der Datei nicht in einer Spalte angezeigt werden kann, sondern man erst weiss, wo die Datei liegt, wenn man sie markiert.

    Und warum zum Geier muss ich im Finder vorher alle meine Bilddateien im Verzeichnis markieren, damit ich sie via Leertaste im Vollbildmodus durchscrollen kann ? Solche kleine Kleinigkeiten + den sehr sehr raren Einstellungsmöglichkeiten generell am Mac bringen mich noch heute auf die Palme.
    Nach dem Motto „Das ist so – nehmt es hin“.

    Aus Frontrow hätte man so viel machen können.
    Meiner Meinung nach ist es einfach nur völlig unausgereift.
    Wie wärs mit einer individuellen On-The-Go-Playlist wie auf dem iPOD ?
    Nö, kann Frontrow nicht.
    Wie wär’s, mit ner Suchfunktion wie beim iPOD ?
    Nö, kann Frontrow nicht.
    Wie wär’s, dass Alben in einer großen Playlist oder intelligenten Ordnern auch als Alben einzeln anwählbar sind ?
    Nö, kann Frontrow nicht.
    Wie wär’s wenn mich Frontfrow vorher frägt, ob es nun mein externen Monitor oder mein Hauptdisplay benutzen soll, anstatt ich davor immer manuell in den Systemeinstellungen meine Monitore ändern darf oder mir selbst ein Script bauen muss.
    Nö, kann Frontrow nicht.
    Es wäre doch ein super Service, wenn z.B. Frontrow beim beendet, das Lied, das als letztes dort gespielt wurde, vielleicht in iTunes abspielen könnte…
    Oder wenn es schon das nicht kann, zumindest den externen Bildschirm richtig auszuschalten anstatt nur abzudunkeln…kann doch nicht so schwer sein…
    Nö, kann Frontrow nicht.
    Von der fehlenden Kompartibilität von .mkv, .ts o.ä. möchte ich gar nicht anfangen…Werde ich mir meine HDTV-Trailer wohl weiterhin mit dem VLC anschauen müssen…

    All das kann Frontrow eben nicht…
    Soweit hat „Think diffrent“ eben nicht gedacht…

    Ich bin froh dass ich diesen Blog hier entdeckt habe – und sehe, dass ich ebenfalls nicht der einzige bin, der sich ein bisschen „verarscht“ fühlt…


  8. Leute,
    alle Beispiele die ihr auflistet sind richtig und die Liste liesse sich endlos fortsetzen:

    -warum kann man Fenster nur unten rechts auf einer Fläche von 1×1 Pixel vergrößern
    -warum kann man mit cmd-x nicht Dateien ausschneiden
    -es muss doch möglich sein in einem editor (zb. mail) zb. mit ctrl-page/down den cursor in die letzte/erste Zeile zu befördern und nicht endlos mit cursor-up/down oder die maus in die Hand nehmen zu müssen
    -dass das scrollrad der maus auf nicht fokussierten fenstern funktioniert ist super, dann sollte man doch auch in nicht fokussierten Fenstern schreiben können wenn der Mauszeiger drauf liegt (wie bei allen anderen unix-en)
    -warum zeigt der Finder nicht die Größe von mehreren markierten Dateien an
    -es kann doch nicht so schwer sein beim imac ne Bildschirmabschaltung hinzukriegen ohne den Rechner in den Ruhestand zu versetzen (alle im netz vorhandenen tools funktionieren nicht- eyetv überlistet sie alle)

    etc.

    Was mich aber am meisten stört ist der osx server (leopard). Der hat viele gute Ansätze, aber es fehlt schlichtweg jegliche Dokumentation. Bei Apple sind fast alle documentaries noch vom 10.4. Dass die Administration nur über die Kommandozeile geht-keine problem wenn man denn Anleitungen hätte ..


  9. @pj: Zumindest für das Bildschirm-Schlafenschicken gibt es eine Lösung:
    Probier mal Shift-Control-Eject. Funktioniert bei mir perfekt.
    (Setzt natürlich eine Apple-Tastatur voraus und funktioniert wohl nur unter 10.5)



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