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Kunde droht mit Auftrag

14 Dezember, 2006

Wenig ist so einfach, wie sich über die gesichtslosen Konzernketten wie Aldi, Saturn oder gar MediaMarkt zu ereifern. (Wobei anzumerken wäre, wenn es einen Gott gibt, werden in der Hölle einige Plätze freigehalten für die Verantwortlichen der aktuellen Werbung! Aber das nur am Rande.)

Wenn man sich also in dieser berechtigten Kapitalismuskritik übt, kommt zwangsläufig immer der Appell, den örtlichen Einzelhandel zu unterstützen.

Ein löblicher Vorsatz, allein, die Händler sind anderer Meinung.

Vielleicht ist es ja mein Fehler, aber sollte sich ein Händler nicht erstmal grundsätzlich über jeden potentiellen Kunden freuen, der das Ladenlokal betritt? Offenbar ist dem nur selten so.

Ich erinnere mich an den (nicht zufällig) letzten Besuch beim zweiten von zwei Fahrradhändlern hier am Ort.

Immer, wenn ich den Laden betrete, erfüllt mich ein Gefühl der Minderwertigkeit. Hier will man keine Leute, die mit ihrem Rad einfach fahren wollen. Das ist wäre ja noch schöner! Hier kauft man für 9000 EUR einen 500 Gramm leichten Rennradrahmen, um ihn zusammen mit den individuell eloxierten Felgen zu einem wundervollen Gesamtkunstwerk machen zu lassen, auf dem man dann – gekleidet in unfassbar geschmacklose Litfaßsäule-Kleidung – als rollendes Verkehrshindernis möglichst viele Kraftfahrer gegen sich aufbringt. (Diese Leute wissen nicht, dass es es Fahrradwege gibt. Sie halten das für Rollstuhlwege.)

Entsprechend eingeschüchtert stand ich also da und lauschte der angeregten Unterhaltung zwischen dem einzigen Kunden und dem Besitzer. Es war eine lange Unterhaltung. Vor allem war es genau das: Eine Unterhaltung, kein Verkaufsgespräch. Bemerkenswert. Nicht, dass man mein Erscheinen gewürdigt hätte, nein, mein Gruss verhallte unbeantwortet in den Tiefen der Regale.

Aber was sollte es, es waren Aktionswochen und ich wollte mir günstig einen neuen Sattel kaufen. Also wartete ich.
Nach gefühlten 3 Stunden verabschiedete sich der Gesprächspartner und was machte der Händler? Er ging wortlos in die Werkstadt. Da war ich baff.

Keine Ahnung, wie lange ich dort gestanden habe, es kam jedenfalls noch zu einer Kaufaktion, aber ich verlies den Laden mit dem Vorsatz nie wieder zurückzukommen.

Was lernen wir daraus? Elementarste Höfflichkeit hilft.

Weiteres Beispiel: Bei einem alten Verstärker sind die Sicherungen durchgebrannt. Sie auszubauen und zum örtlichen Eisen/Gemischtwarenladen gehen, war der leichte Teil. Sich aber anzuhören, dass es keine 100mA Sicherungen gäbe und ich offenbar weder lesen noch sonderlich erfolgreich denken könne, der schwerere. Auch dieser Laden hat mich nie wieder gesehen und ist vollgerichtig schon lange dicht.

Was schliessen wir hieraus? Den Kunden nicht für einen Trottel halten.

Das bingt mich zu einem Fall, der die beiden Punkte vereinigt: Meine Mutter betrat die Pizzaria um die Ecke mit einer Tüte voller Pizzareste, die zu essen sich meine Nichten geweigert hatten, da ihnen der Boden zu schwarz war. Die Absicht meiner Mutter war, einfach auf diesen Umstand hinzuweisen. Ja, eine Entschuldigung wäre vielleicht nicht schlecht gewesen. Was sie aber zu hören bekam war, dass es so schon seine Richtigkeit habe, der Ofen müsse so heiss sein und dergeleichen. M.a.W. eine Pizza muss eine krebserregende Unterseite haben, sonst ist sie unverkäuflich.

Auch für die Pizzaria gilt: Nie wurde sie von uns wieder betreten, jedem, der es hören wollte, habe ich von dem Vorkommnis erzählt und ja, sie ist pleite gegangen. Welch Überraschung.

Wenn ich wollte, könnte ich noch einige solcher Beispiele anbringen, aber ich will mich mit nur einem weiteren begnügen, da es der Auslöser für diesen Artikel ist.

Ich weiss, es ist eine Unart, aber manche Rechnungen bezahle ich erst nach der ersten Mahnung. So halte ich es auch mit meinem Provider. Jedes Jahr das selbe Spiel.

Nicht dieses Mal. Keine Mahnung, sondern die Stilllegung meiner Domain. Das ist ärgerlich, plötzlich und ohne Vorwarnung keine Mails mehr. Aber letztlich bin ich ja selbst schuld.

Als ich nun aber drei Tage nach der Überweisung vorsichtig nachfrug, wie der Stand sei, musste ich erfahren, dass die Domain bereits abtreten sei und ein Rekonnektieren 80 Euro kosten würde. Achtzig? Euro? Wäre es nicht einfacher gewesen, „Hau ab, Dein Geld wollen wir nicht!“ zu schreiben?

Tja, auch diese Firma wird mich nicht mehr sehen. Mal schauen, wie ihr Schicksal ausschauen wird.


ein bugpit-posting

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2 Kommentare

  1. Okay… es ist also nicht nur in Lübeck so…
    Vermutlich sind das alles reiche Säcke, die das Geschäft nur zum Spaß betreiben. Oder aus Langeweile.


  2. Ehrlich gesagt, das mit dem Provider kann ich verstehen. Einfach mal abschätzen,was Mahnungsschreiben und Co kosten. Vielleicht liegt da der Aufwand über Deinen Gebühren, von denen ja noch andere Kosten bstritten werden müssen.
    Das mit dem Einzelhändlern habe ich z.T. auch schon erlebt. Vielleicht ist es Abstumpfung gegenüber vielen Kunden, die schauen/testen sich beraten lassen, aber dann woanders kaufen. Oder Aroganz gegenüber „Döspaddeln“, die einfach nur Rad fahren wollen.



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