Tut mir leid, das wird jetzt hier etwas länger, denn ich bin ein bisschen verärgert. Ich kann einfach nicht glauben, dass ich der einzige bin, der Leopard in seiner jetzigen Form sehr verbesserungswürdig findet und den Kauf bedauert. Damit jetzt aber nicht der Eindruck eines notorischen Nörglers entsteht, möchte ich hier mal ein paar Punkte aufführen, die mich stören und nichts mit Abstürzen und Fehlfunktionen zu tun haben, die eventuell mit bei mir aktiven Plugins oder Drittanbieterprogrammen zu tun haben:
1. Spaces. Nützlich, aber unvollständig. Es fehlen mir wichtige Hilfsmittel: Eine optional schaltbare, dauerhafte Übersicht, z.B. im Dock, sowie eine Tastenkombination, um das aktive Fenster in ein benachbarten “Space” zu verschieben. Die eingebauten Möglichkeiten bremsen meinen Arbeitsablauf total aus. Hier fahre ich mit VirtueDesktop – oder Desktopmanager – wesentlich besser. Nebenbei, bin ich denn der einzige, der es misslungen findet, wie das Verschieben von Fenstern gelöst ist? Wenn ich z.B. ein Fenster auf den linken “Space” verschieben will, nehme ich es, bewege es an den linken Rand, der Desktop und alle anderen Fenster verschieben sich nach rechts, mein Fenster bleibt aber unbewegt links. Ich muss es also wieder nach rechts bewegen, um es zu platzieren. Wäre es denn nicht sinnvoller, wenn auch dieses Fenster nach rechts wanderte und ich so eine einheitliche links-Bewegung ausführen könnte?
2. Timemachine. Ebenfalls von Grundgedanken her schön. Aber nur, wenn man sein Home-Ordner nicht verschlüsselt (Filevault), denn dann verliert Timemachine jeden Nutzen. Es wird nämlich nur dann ein Backup dieser Daten gemacht, wenn sich der User abmeldet. Und dann auch nicht in irgendeiner Weise inkrimentell, sondern komplett. Jedes Mal. Das ist aber noch nicht alles. Mir ist bisher vollständig schleierhaft, wie ich im Notfall an die Daten kommen soll, denn für Timemachine existieren sie nicht. Ich müsste dann schon die verschlüsselten Daten händisch durchsuchen. Was soll denn das sein?
3. Spotlight im Finderfenster. Grundsätzlich gibt es zwei Zugänge zu Spotlight, oben rechts im Menu und in jedem Finderfenster. Bisher bedeutet das für mich, systemweite, offene Suchanfragen kommen nach oben, Suchen im aktuellen Ordner starten im Finderfenster. In Leopard nicht. Da startet jede Suche grundsätzlich auf dem ganzen System. Im Finder bekomme ich lediglich einen Knopf angeboten, der die Suche einschränkt. Bei diesem Punkt war ich ganz sicher, dass er mit dem ersten Update verschwinden würde. – Falsch, denn auch hier scheine ich mit meiner Meinung alleine zu sein.
4. Mail und Aufgaben. So ziemlich das Feature, auf das ich mich am meisten gefreut habe. Aber auch hier gilt: Gut gemeint, schlecht gemacht. Zwar kann ich sehr einfach aus einer eMail eine Aufgabe generieren, die dann ohne weiteres Zutun in die Terminverwaltung (iCal) einfliesst. Aber was passiert, wenn die Aufgabe erledigt ist? Nicht viel. Sie bekommt ein Häckchen, verschwindet aber nicht aus der Liste. Niemals. Ich habe nirgendwo eine Möglichkeit gefunden, die Anzeige dahingehend zu beschränken. Also bleibt nur Löschen. Dann ist sie weg. Leider aber vollständig, sprich auch iCal vergisst sie dann. Auch hier scheint ausser mir niemand ein Problem zu sehen. Für mich ist es sehr wichtig, auch auf erledigte Aufgaben zugreifen zu können.
5. Mail und Sicherheit. Das sind eigentlich zwei Punkte, zum einen hat es Apple geschafft, ins aktuelle Mail einen bei der alten Version erfolgreich behobenen Fehler wieder einzubauen (heise), zum anderen gibt es bei beiden eine Einstellung “Nicht lokal gesicherte Bilder in HTML-E-Mails anzeigen”, die aber unterschiedlich wirkt. Die alte zeigt die Bilder nicht nur nicht an, sie lädt sie auch nicht herunter. Die neue lädt sie zwar, zeigt sie aber nicht an. Wie sinnvoll. Ich war bisher der Meinung, über nachgeladene Bilder wäre es Spamern möglich, sich von der Zustellung ihrer Mails zu überzeugen, weshalb man das Laden vermeiden sollte, Apple hat damit aber wohl kein Problem. Also nicht wundern, wenn die Werbeflut in Zukunft weiter zunimmt.
6. FrontRow. Ich muss zugeben, die neue Optik und Menuführung finde ich sehr gelungen. Dass FrontRow nicht mehr mit meinem Linux-iTunesserver arbeitet, weniger. Dass aber die Wiedergabeposition von Videos nicht mehr gespeichert wird, gleichzeitig aber die Navigation vollständig hakelig und unvorhersehbar wird, macht es unbauchbar.
7. Usability vs. Eye Candy. Ok, über Geschmack will ich hier nicht reden, wenngleich die 70er Jahre Braun-Optik des 2D-Docks schon ein ziemlicher Hammer ist. Nein, ich frage mich, wie die (angeblich) angestrebte Barrierefreiheit von Leopard mit der nicht veränderbare geringen Grösse der Seitenleiste im Finder vereinbar ist? Unter Tiger kann man den entsprechenden Bereich einfach gross ziehen, schon werden die Icons und die Schrift – in Grenzen – grösser. Das zusammen mit den geringen Kontrast dürfte User mit Sehbehinderung nicht erfreuen, wie auch die Tatsache, dass es zwar eine neue, deutlich verbesserte Sprachausgabe gibt, diese aber wie immer, nur Englisch spricht.
Jetzt reicht meine Sehkraft aber noch aus, wodurch ich auf ein anderes Phänomen stossen konnte. Was der Nicht-Macuser eventuell nicht weiss: Macs lassen sich sehr weitgehend über Tastaturkürzel steuern. Das finde ich extrem zeitsparend und sehr gelungen. So kommt es oft vor, dass ich über CMD-Backspace Dateien lösche. Befinden sich diese auf einem entfernten Server, erscheint ein Requester, der unter Tiger so aussieht.
Es ist ziemlich eindeutig, welcher Knopf vorgewählt ist. Ein Druck auf “Space” und die Datei ist Geschichte.
Unter Leopard sieht das ganze aber so aus:
Öhem. Ich bin unsicher.
Erst, wenn ich mittels “Tab” umschalte, wird es für mich deutlich.
Das hat mich einige Zeit gekostet, bis mir überhaupt aufgefallen ist, warum ich bei solchen Gelegenheiten immer 2x “Tab” gedrückt habe. Einen Fortschritt vermag ich jedenfalls auch hier nicht zu erkennen.
Wenn ich also diese Liste durchgehe, und dann sehe, dass es da draussen zwar extra Seiten gibt, die sich mit dem grossen Problem der Dock-Optik beschäftigen, aber niemand z.B. mit Spotlight ein Problem hat, sehe ich für mich und Leopard eine sehr, sehr düstere Zukunft.
Wenn ich mir dann aber noch die aktuellen Alu-iMacs mit ihrer hochverspiegelten TV-Optik anschaue, weiss ich nichtmal mehr, wie lange ich mich selbst noch einen Apple-User nennen werde.
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